Samstag, 21. Januar 2017

Hl. Gregor I., Papst, Bekenner und Kirchenlehrer - Vita aus dem Brevier

12. März
4. - 6. Lesung
Gregor der Große, aus Rom, Sohn des Senators Gordian, widmete sich in seiner Jugend dem Studim der Philosophie. Auch bekleidete er das Amt eines Prätors. Nach dem Tode seines Vaters errichtete er in Sizilien sechs Klöster, ein siebentes unter dem Namen des heiligen Andreas zu Rom in seinem eigenen Hause, nahe bei der Basilika der heiligen Johannes und Paulus auf dem Skaurus. Unter der Leitung des Hilarion und Maximian lebte er dortselbst als Mönch und wurde später Abt. Bald wurde er zum Kardinaldiakon ernannt und vom Papst Pelagius zum Kaiser Tiberius Konstantinus nach Konstantinopel als Legat gesandt. Hier widerlegte er den Patriarchen Eutychius, der ein Buch gegen die wahre, wirkliche Auferstehung der Leiber geschrieben hatte, so gründlich, daß der Kaiser dessen Buch ins Feuer warf. Kurz darauf viel Eutychius in eine Krankheit; angesichts des Todes faßte er die Haut seiner Hand und erklärte vor vielen Zeugen: Ich bekenne, daß wir alle in diesem Leibe auferstehen werden. Nach Rom zurückgekehrt, wurde Gregor, da Pelagius an der Pest gestorben war, einstimmig zum Papste gewählt. Er weigerte sich, solange er konnte, diese Würde anzunehmen. Verkleidet hielt er sich in einer Höhle verborgen, wurde aber durch die Erscheinung einer Feuersäule entdeckt; in St. Peter erhielt er dann feierlich die Weihe. Als Papst hinterließ er seinen Nachfolgern viele Beispiele von Gelehrsamkeit und Heiligkeit. Täglich lud er Pilger zu Tische; auch einen Engel und selbst den Herrn der Engel durfte er einmal in Gestalt eines Pilgers aufnehmen. Der Armen innerhalb und außerhalb der Stadt, von denen er sich ein Verzeichnis angelegt hatte, nahm er sich in Liebe an. Den katholischen Glauben, der vielerorts zurückgegangen war, brachte er wieder zur Blüte. Er drängte die Donatisten in Afrika und die Arianer in Spanien zurück und vertrieb die Agnoiten aus Alexandrien. Dem Bischof Syagrius von Autun verweigerte er das Pallium, bis er die neuentstandene Ketzerei in Frankreich unterdrücken würde. Die Goten brachte er dazu, die Irrlehre des Arius aufzugeben. Nach England sandte er den gelehrten heiligen Augustinus und andere Mönche und führte so die ganze Insel zum christlichen Glauben; vom Priester Beda wird er darum mit Recht der Apostel Englands genannt. Den ehrgeizigen Patriarchen Johannes von Konstantinopel, der sich den Namen eines Bischofs der ganzen Kirche anmaßte, demütigte er. Auch brachte er den Kaiser Mauritius dazu, daß er sein Verbot, daß ehemalige Soldaten keine Mönche werden dürfen, wieder zurücknahm. Der Kirche schenkte er gar manche heilige Verordnungen und Gesetze. Bei einer Synode in St. Peter bestimmte er unter anderen, daß in der Messe Kyrie eleison neunmal wiederholt, daß außer der Zeit von Septuagesima bis Ostern Alleluja gesungen, und daß im Kanon die Worte eingefügt werden: Leite unsere Tage in Deinem Frieden. Er förderte die Bittgesänge, die Stationsgottesdienste und das kirchliche Stundengebet. Er bestimmte, die Konzilien von Nizäa, Konstantinopel, Ephesus und Chalzedon sollten genauso wie die vier Evangelien in Ehren gehalten werden. Den Bischöfen von Sizilien, die nach alter Sitte alle drei Jahre nach Rom kamen, gestattete er, nur alle fünf Jahre sich dort einzufinden. Er verfaßte viele Schriften; wenn er diese diktierte, sah der Diakon Petrus, wie er selbst bezeugt, öfter den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube über seinem Haupte schweben. Was er gesagt, getan, geschrieben und verordnet hat, verdient Bewunderung, besonders in anbetracht seines stets schwachen und kranken Körperzustandes. Nachdem er viele Wunder gewirkt, wurde er schließlich in die Seligkeit des Himmels gerufen, nachdem er 13 Jahre, 6 Monate und 10 Tage Papst gewesen. Es war am 12. März; dieser Tag wird auch von den Griechen wegen der hervorragenden Weisheit und Heiligkeit dieses Papstes als Festtag mit besonderer Feierlichkeit begangen. Sein Leib ruht in der Basilika des heiligen Petrus, nahe bei der Sakristei.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hll. vierzig Martyrer zu Sebaste - Vita aus dem Brevier

10. März
4. - 6. Lesung

Zur Zeit des Kaisers Lizinius und des Statthalters Agrikolaus zeichneten sich zu Sebaste, einer Stadt in Armenien, vierzig Soldaten durch ihren Glauben an Jesus Christus und ihre Standhaftigkeit im Leiden besonders aus. Wiederholt wurden sie in einen schauerlichen Kerker geworfen, wurden gefesselt, das Gesicht wurde ihnen mit Steinen zerschmettert; zuletzt mußten sie in der kältesten Winterzeit unbekleidet unter freiem Himmel auf einem zugefrorenen Teich die Nacht verbringen; so sollten sie durch Erfrieren den Tod finden. Einmütig aber beteten sie: Zu vierzig sind wir auf den Kampfplatz getreten; zu vierzig wollen wir auch die Krone erlangen; Herr, laß nicht einen an dieser Zahl fehlen. Diese Zahl steht in Ehren; Du hast sie geheiligt durch Dein vierzigtägiges Fasten; damit kam das Gesetz Gottes auf die Erde; auch Elias fastete vierzig Tage lang und betete zu Gott; dann durfte er ihn schauen. So beteten sie. Während die übrigen Wächter vom Schlaf übermannt wurden, blieb der Türhüter allein wach. Auf einmal sah dieser, wie die Soldaten während des Gebetes von einem hellen Lichtschein umflossen wurden und wie vom Himmel Engel herabkamen, gleichsam von einem König geschickt, die 39 Kränze an die Soldaten austeilten. Da dachte er: Das sind doch 40; wo ist denn der Kranz für den vierzigsten? Während er noch so dachte sprang einer von ihnen, der die Kälte nicht mehr länger aushalten wollte, in das nebenan bereitete warme Bad. Das war eine bittere Enttäuschung für die Heiligen. Aber Gott ließ ihr Gebet nicht unerhört; denn voller Staunen über das, was er gesehen, weckte der Türhüter nun die anderen Wächter, bekannte sich laut als Christ, warf seine Kleider weg und schloß sich den Blutzeugen an. Als die Diener des Statthalters hörten, daß auch der Türhüter Christ geworden sei, zerschlugen sie mit Knütteln allen die Gebeine. Bei dieser Marter starben sie alle, mit Ausnahme des Jüngsten, Melithon mit Namen. Ihm waren auch die Gebeine zerschlagen, aber er lebte noch. Seine Mutter, die dabei war, sah dies und ermunterte ihn also: Mein Sohn, halte noch eine kleine Weile aus! Siehe, Christus steht vor der Türe; er hilft dir. Als sie sah, wie die Leiber der übrigen auf Karren geladen wurden, um auf den Scheiterhaufen geworfen zu werden, während ihr Sohn zurückgelassen wurde, weil die Frevlerschar hoffte, der Knabe werde sich zum Götzendienst bekehren, wenn man ihn am Leben lasse, da nahm ihn die heilige Mutter selbst auf ihre Schultern und schritt mutig hinter den mit den Leibern der Märtyrer beladenen Karren einher. In ihren Armen gab Melithon seinen Geist Gott zurück. Da warf die fromme Mutter seinen Leib auf den Scheiterhaufen, auf dem die übrigen Märtyrer verbrannt wurden. So waren sie also, nachdem sie an Glaubenseifer und Heldenmut einander gleich gewesen, auch im Tod miteinander vereint und durften gemeinsam in den Himmel eingehen. Nachdem sie verbrannt waren, wurden ihre Überreste ins Wasser geworfen; doch sie sammelten sich auf wunderbare Weise an einem Orte; die Christen fanden sie und setzten sie in einem ehrenvollen Grabe bei. 

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hl. Witwe Fransika vom Rom - Vita aus dem Brevier

9. März
Franziska war eine adelige Frau aus Rom. Von Kindheit an gab sie glänzende Proben ihrer Tugenden. Sie hatte keine Freude an kindlichen Spielen oder an den Lockungen der Welt; am liebsten war es ihr, wenn sie allein sein und beten konnte. Mit elf Jahren faßte sie den Entschluß, ihre Jungfräulichkeit Gott zu weihen und ins Kloster zu gehen. Dem Willen ihrer Eltern demütig gehorchend, heiratete sie aber später Laurentius dei Pontiani, einen reichen, vornehmen jungen Mann. Auch in der Ehe behielt sie, soweit es möglich war, ihre strenge Lebensweise stets bei. Sie ging nicht ins Theater, zu Gastmählern oder anderen derartigen Vergnügen, trug stets ein wollenes, einfaches Kleid und widmete alle Zeit, die ihr neben der Sorge für ihre Familie noch übrig blieb, dem Gebete oder dem Dienste des Nächsten. Ihre Hauptsorge war, die römischen Frauen von weltlicher Prachtliebe und eitler Putzsucht abzubringen. Sie gründete noch zu Lebzeiten ihres Mannes in Rom das Haus der Oblaten nach der Regel des heiligen Benedikt im Anschluß an die Kongregation von Monte Oliveto. Die Verbannung ihres Gatten, den Verlust ihres Vermögens und den Ruin ihres ganzen Hauses ertrug sie nicht nur mit größtem Starkmut, sondern sie dankte sogar Gott dafür, so wie der selige Job, und wiederholte häufig die Worte: der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; gepriesen sei der Name des Herrn. Nach dem Tode ihres Mannes eilte sie sogleich zu dem bereits erwähnten Haus der Oblaten und flehte barfuß, mit einem Strick um den Hals, unter vielen Tränen um Aufnahme in diese Genossenschaft. Ihre Bitte wurde ihr gewährt. Nun wollte sie, obschon sie die Mutter von allen war, nur eine Magd, ein armes Weib und ein Gefäß der Sünde genannt werden. Diese geringe Meinung von sich selbst bestätigte sie durch Wort und Tat. Oft trug sie, wenn sie von ihrem vor der Stadt gelegenen Weinberg heimkehrte, ein Bündel Holz auf dem Kopfe oder trieb einen mit Holz beladenen Esel durch die Stadt; sie suchte den Armen zu helfen und teilte reichlich Almosen an sie aus; sie besuchte die Kranken in den Spitälern und gab ihnen nicht bloß Nahrung für den Leib, sondern auch heilsame Lehren. Ihren Leib suchte sie durch Nachtwachen und Fasten, durch ein Bußkleid und einen eisernen Gürtel und durch häufige Geißelungen im Zaum zu halten. Nur einmal am Tag nahm sie Speise zu sich, und zwar nur Kräuter und Gemüse, und sie trank nur Wasser. Diese körperlichen Abtötungen milderte sie manchmal ein wenig auf Befehl ihres Beichtvaters, nach dessen leisestem Wink sie sich sofort richtete. Die Geheimnisse Gottes, namentlich das Leiden unseres Herrn Jesus Christus, betrachtete sie mit solcher inneren Glut und unter einem solchen Tränenstrom, daß sie von Mitleid fast gänzlich aufgezehrt wurde. Oft wurde sie beim Gebet, besonders nach dem Empfang des allerheiligsten Altarsakramentes, im Geiste zu Gott erhoben und blieb, von himmlischer Verzückung hingerissen, ganz unbeweglich. Daher versuchte auch der Feind des Menschengeschlechtes, sie durch mannigfache Verfolgungen und sogar durch Schläge von ihren Vorsätzen abzubringen; doch furchtlos wies sie ihn jedesmal ab und errang, vor allem durch den Beistand ihres Engels, mit dem sie ganz vertraut verkehrte, einen glänzenden Sieg über ihn. Sie besaß die Gabe der Krankenheilung und der Weissagung; sie sagte öfters die Zukunft voraus und schaute die Geheimnisse der Herzen. Oftmals blieb sie, während sie betete, vom Hochwasser oder vom Regen unberührt. Kleine Stückchen Brot, die kaum für drei Schwestern gereicht hätten, vermehrte der Herr auf ihr Gebet hin so wunderbar, daß fünfzehn davon satt wurden und noch ein ganzer Korb voll übrig blieb. Als ihre Schwestern einst im Januar außerhalb der Stadt Holz sammelten und dabei Durst bekamen, pflückte sie von einem Weinstock, der sich an einem Baum empor rankte, wunderbarerweise ganz frische Trauben und erfrischte damit ihre Schwestern. Schließlich ging sie in ihrem 56. Lebensjahr, berühmt durch ihre Verdienste und Wunder, zum Herrn ein. Papst Paul V. nahm sie in die Zahl der Heiligen auf.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hl. Johannes von Gott - Vita aus dem Brevier

8. März
4. - 6. Lesung

Johannes von Gott wurde von frommen katholischen Eltern in der Stadt Montemajor a Novo im Königreich Portugal geboren. Zu welch hohem Beruf er von Gott bestimmt war, zeigte sich schon im Augenblick seiner Geburt ein ungewöhnlicher Glanz über seinem Hause und ein feierliches Glockengeläute, das ganz von selbst einsetzte. Von einer etwas freien Lebensweise wurde er von der Gnade Gottes zurückgerufen und von da ab war er ein Muster großer Heiligkeit. Durch eine Predigt fühlte er sich so stark zum Guten hingezogen, daß er schon bei Beginn seines heiligeren Lebens die Vollkommenheit und Vollendung erreicht zu haben schien. Sein ganzes Vermögen verteilte er an die im Kerker schmachtenden Armen und wurde nun ein Schauspiel wunderbarer Buße und Selbstverleugnung für das ganze Volk. Von vielen jedoch wurde er für wahnsinnig gehalten und schwer angegriffen und sogar ins Irrenhaus gebracht; Johannes aber entbrannte nur noch mehr von heiliger Liebe. Er errichtete in Granada mit Hilfe milder Gaben zwei große Krankenhäuser, gründete einen neuen Orden und schenkte so der Kirche die neue Genossenschaft der Barmherzigen Brüder, die mit großem Gewinn für Leib und Seele den Kranken dienen; sie sind überall in der Welt verbreitet. Arme Kranke trug er manchmal auf seinen eigenen Schultern nach Hause und ließ ihnen nichts an Leib und Seele fehlen. Seine Liebe erstreckte sich auch über die Mauern seines Krankenhauses hinaus auf die bedürftigen Witwen und namentlich gefährdete Jungfrauen, denen er heimlich Lebensmittel zuwandte und bei denen er sich rastlos bemühte, die Fleischeslust, wenn sie davon befallen waren, zu ertöten. Als einst im königlichen Krankenhause zu Granada eine furchtbare Feuerstbrunst ausbrach, sprang Johannes furchtlos in das brennende Gebäude, eilte darin hin und her, bis er alle Kranken entweder auf seinen Schultern herausgetragen oder sie in ihren Betten an den Fenstern heruntergelassen und so vor dem Feuer gerettet hatte. Eine halbe Stunde lang weilte er so mitten in den ungeheuren Flammen, dann kam er mit Gottes Hilfe zum Staunen aller Leute unversehrt heraus; so gab er ein Beispiel der Liebe und zeigte, daß das Feuer, das um ihn herum brannte, weit schwächer war als jenes, das in seinem Innern loderte. Er zeichnete sich besonders durch vielseitige strenge Abtötung, durch ganz untertänigen Gehorsam, durch große Armut, durch Eifer im Gebet, durch Betrachtung der göttlichen Dinge und durch fromme Verehrung der heiligen Jungfrau aus. Auch besaß er die Gabe der Tränen. Schließlich wurde er von einer schweren Krankheit ergriffen, empfing fromm und andächtig die Sakramente der Kirche und, obschon er bereits ganz entkräftet war, zog er seine Ordenskleidung an, erhob sich vom Bett, fiel auf die Knie nieder und umfaßte mit der Hand und mit dem Herzen das Kruzifix und starb so im Frieden des Herrn am 8. März 1550. Auch nach dem Tode hielt er das Kreuz noch fest umschlungen und ließ es nicht los; in dieser Stellung verharrte er wunderbarerweise ungefähr sechs Stunden lang; die ganze Stadt konnte ihn so sehen; dann nahm man ihn erst weg. Sein Leichnam verbreitete einen wundervollen Wohlgeruch. Vor und nach seinem Tode wurde er durch viele Wunder verherrlicht. Darum nahm ihn Papst Alexander VIII. in die Zahl der Heiligen auf. Leo XIII. bestellte ihn auf Wunsch der Bischöfe der katholischen Welt auf Vorschlag der Ritenkongregation zum himmlischen Patron aller Krankenhäuser und aller Kranken, die darin liegen, und ordnete an, daß sein Name in der Litanei für die Sterbenden angerufen werde.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hl. Thomas von Aquin - Vita aus dem Brevier

7. März
4. - 6. Lesung
Der hochheilige Thomas, diese Zierde der christlichen Welt, diese Leuchte der Kirche, war der Sohn vornehmer Eltern, nämlich des Grafen Landulph von Aquin und seiner Gemahlin Theodora von Neapel. Er offenbarte schon als unmündiges Kind seine spätere besondere Vorliebe für die Gottesmutter. Einst fand er nämlich ein Blatt, auf dem das Ave Maria geschrieben stand; trotz aller Bemühungen seiner Amme hielt er es in der geballten Faust ganz fest, und als es ihm von der Mutter mit Gewalt weggenommen wurde, verlangte er es unter Weinen und Gebärden wieder zurück; und als er es wieder erhielt, verschluckte er es. Mit fünf Jahren wurde er den Mönchen des heiligen Benedikt zu Monte Cassino zur Erziehung übergeben. Später wurde er zum Studium nach Neapel geschickt. Noch als Jüngling trat er in den Dominikanerorden ein. Seine Mutter und seine Brüder jedoch waren darüber sehr ungehalten, und als er nach Paris gesandt wurde, fingen seine Brüder ihn unterwegs ab und brachten ihn auf das Schloß San Giovanni; dort setzten sie ihm auf alle mögliche Weise zu, seinen heiligen Entschluß zu ändern; selbst ein Weib führten sie zu ihm, um ihn zu Fall zu bringen; er vertrieb sie jedoch mit einer brennenden Fackel. Bald darauf, als er kniend vor einem Kreuzbild betete und dabei vom Schlafe überfallen wurde, schien es ihm, als ob Engel seine Lenden umgürteten. Von dieser Zeit an blieb er für immer von jeder Regung der Sinneslust verschont. Seine Schwestern, die in der Absicht zu ihm auf die Burg kamen, ihn von seinem gottgefälligen Entschlusse abzubringen, brachte er so weit, daß sie alle irdischen Sorgen aufgaben und sich einem frommen Leben weihten. Durch ein Fenster entkam er schließlich von der Burg und kehrte nach Neapel zurück. Von da kam er nach Rom und später in Begleitung des Bruders Johannes Theutonikus, des Generalmagisters der Dominikaner, nach Paris. Dort studierte er unter der Leitung Alberts des Großen Philosophie und Theologie. Im Alter von 25 Jahren wurde er zum Magister ernannt und hielt unter dem größten Beifall öffentliche Vorlesungen über die Werke der Philosophen und Theologen. Niemals begann er zu Lesen oder zu Schreiben, ohne vorher zu beten. Bei schwierigen Stellen der Heiligen Schrift fügte er zum Gebet noch das Fasten hinzu. Ja, er sagte wiederholt zu seinem Mitbruder Reginaldus, alles, was er wisse, habe er nicht durch Studium oder eigene Arbeit sich angeignet, sondern von Gott empfangen. Als er einst zu Neapel vor einem Bilde des Gekreuzigten innig betete, hörte er die Worte: Du hast gut über mich geschrieben, Thomas; welchen Lohn willst du nun haben? Darauf erwiderte er: Herr, keinen anderen, als Dich. Die Schriften der Väter las er sehr eifrig und es gab keinen Schriftsteller, mit dem er sich nicht gewissenhaft beschäftigt hätte. In seinen zahlreichen Schriften über die verschiedenen Gebiete zeigt er eine große Gewandtheit, schwierige Fragen klar darzulegen; seine umfassende reine Lehre stimmt wundervoll mit den geoffenbarten Wahrheiten überein und ist darum ganz geeignet, die Irrtümer aller Zeit zu widerlegen. Von Papst Urban IV. wurde er nach Rom gerufen und verfaßte in seinem Auftrag das kirchliche Stundengebet für das Fronleichnamsfest. Ehrenstellen, sowie das Bischofsamt von Neapel lehnte er ab, auch als Klemens IV. sie ihm anbot. Von der Verkündigung des Gotteswortes ließ er nie ab; als er dies in der Oktav von Ostern einmal in der Basilika des heiligen Petrus tat, heilte er eine Frau, die den Saum seines Gewandes berührte, vom Blutflusse. Vom heiligen Gregor X. wurde er zum Konzil nach Lyon gesandt, fiel aber im Kloster Fossanuova in eine Krankheit. Noch während der Krankheit schrieb er eine Erklärung zum Hoheliede. Dort starb er in seinem 50. Lebensjahr am 7. März im Jahre des Heils 1274. Nach seinem Tode wurde er durch Wunder verherrlicht. Nach deren Prüfung wurde er von Johannes XXII. im Jahre 1323 in die Zahl der Heiligen aufgenommen. Auf Anordnung Urbans V. wurde später sein Leib nach Toulouse übertragen. Wegen seiner Unschuld und auch wegen seiner Geistesanlagen wurde er mit den Engeln verglichen und erhielt darum mit Recht den Namen engelgleicher Lehrer. Dieser wurde auch amtlich vom heiligen Pius V. bestätigt. Leo XIII. aber nahm bereitwillig die Anträge und Wünsche fast aller kaholischen Bischöfe entgegen und bestellte auf Vorschlag der heiligen Ritenkongregation durch ein apostolisches Schreiben den heiligen Thomas zum himmlischen Patron aller katholischen Schulen. Damit wollte er den vielen verderblichen, falschen Systemen der Philosophie einen Damm entgegensetzen und wollte zum Wohl der ganzen Menscheit der Wissenschaft neuen Auftrieb geben.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Freitag, 20. Januar 2017

Hl. Martyrinnen Perpetua und Felizitas - Vita aus dem Brevier

6. März
Perpetua und Felizitas wurden in der Verfolgung des Kaisers Severus in Afrika gleichzeitig mit Revokatus, Saturninus und Sekundulus verhaftet und in einen finsteren Kerker geworfen; später kam noch Satyrus dazu. Sie waren noch Taufkandidatinnen, wurden aber kurz darauf getauft. Einige Tage später wurden sie mit ihren Gefährten aus dem Kerker geholt und vor Gericht gestellt. Nach einem ruhmvollen Bekenntnis des Glaubens wurden sie vom Landpfleger Hilarion zum Tod durch die wilden Tiere verurteilt. Freudig kehrten sie in ihren Kerker zurück; dort wurden sie durch verschiedene Erscheinungen gestärkt und zum siegreichen Martyrium ermutigt. Perpetua ließ sich weder durch die wiederholten Bitten und Tränen ihres vom Alter gebeugten Vaters, noch durch die Liebe zu ihrem kleinen Kinde, noch durch die bitteren Qualen vom Glauben an Christus abbringen. Als der Tag der Vorführung immer näher kam, war Felizitas in großer Sorge, daß sie zurückgestellt würde; denn sie war schon seit acht Monaten gesegneten Leibes, und es war gesetzlich verboten, hoffende Frauen hinzurichten, doch auf das Gebet ihrer Leidensgenossen hin wurde die Niederkunft beschleunigt, und sie gebar ein Mädchen. Während sie nun bei der Geburt in Wehen lag, sagte einer von den Wächtern zu ihr: Wenn du jetzt schon solche Schmerzen hast, was wirst du erst tun, wenn du den wilden Tieren vorgeworfen wirst? Da antwortete sie: Jetzt leide ich; dann aber wird ein anderer in mir sein, der für mich leidet; dann werde auch ich für ihn leiden. Endlich, am 7. März, wurden die hochherzigen Frauen vor dem ganzen Volk im Amphitheater vorgeführt und zunächst gegeißelt. Dann wurden sie von einer wild gewordenen Kuh eine Zeitlang hin und hergeschleudert, gestoßen und auf die Erde geworfen. Schließlich wurden sie mit ihren Gefährten, die von anderen Tieren gequält worden waren, durch Schwerthiebe niedergemacht. Das Fest dieser heiligen Märtyrerinnen hat Papst Pius X. für die ganze Kirche zu einem höheren Rang erhoben und auf den 6. März festgesetzt. 
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hl. Kasimir - Vita aus dem Brevier

4. März
4. - 6. Lesung
Kasimir war der Sohn des Königs Kasimir von Polen und seiner Gemahlin Elisabeth von Österreich. Von vorzüglichen Lehrern wurde er in der Frömmigkeit, sowie den schönen Künsten und Wissenschaften unterrichtet. Von Jugend auf tötete er auch schon seine zarten Glieder mit einem rauhen Bußkleid und durch langes Fasten ab. Er schlief nicht in einem prächtigen, weichen Bett, sondern auf hartem Boden. Gar oft kniete er heimlich in der Nacht vor den Türen der Kirchen auf der Erde, um zum gütigen Gott zu beten. Ständig beschäftigte er sich mit der Betrachtung des Leidens Christi; und dem feierlichen Meßopfer wohnte er stets mit solcher Sammlung bei, daß man meinte, er sei verzückt. Seine besonderen Bemühungen galten der Förderung des katholischen Glaubens und der Beilegung des ruthenischen Schismas. Er brachte seinen Vater Kasimir dazu, ein Gesetz zu erlassen, daß die Schismatiker keine neuen Kirchen mehr bauen und die alten, wenn sie baufällig wurden, nicht wiederherstellen durften. Gegen Arme und Bedrängte war er gut und hilfsbereit; er erhielt darum den Namen Vater und Beschützer der Armen. Die Jungfräulichkeit hatte er von der Wiege an unbefleckt bewahrt. Am Ende seines Lebens verteidigte er sie noch einmal ganz besonders tapfer, da er von schwerer Krankheit heimgesucht war und lieber sterben wollte als auf den Rat der Ärzte hin die Keuschheit preiszugeben. So gelangte er in kurzer Zeit zur Vollendung. Reich an Tugenden und Verdiensten gab er an dem Tag, den er schon vorher als seinen Sterbestag bezeichnet hatte, umgeben von einem Chor von Priestern und Ordensleuten, seinen Geist Gott zurück im 25. Jahre seines Lebens. Sein Leib wurde nach Wilna gebracht und wird durch viele Wunder verherrlicht. Abgesehen davon, daß an seinem Grabe ein totes Mädchen das Leben, Blinde das Augenlicht, Lahme die Kraft zum Gehen und andere Kranke die Genesung wiedererlangten, erschien er in der Luft den Litauern, als sie wegen ihrer kleinen Streitmacht bei einem unverhofften Einfall eines mächtigen Feindes in großer Angst waren, und verhalf ihnen zu einem glänzenden Sieg. Deshalb nahm Leo X. ihn in die Zahl der Heiligen auf.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)