Montag, 20. Februar 2017

Gebet des hl. Franziskus Xaverius für die Bekehrung der Ungläubigen

Ewiger Gott, Schöpfer aller Dinge, gedenke der Seelen der Ungläubigen, die du erschaffen und nach deinem Bilde und Gleichnisse gebildet hast. Siehe, o Herr, wie die Hölle dir zur Schmach mit diesen Seelen erfüllt wird, und gedenke, daß dein Sohn Jesus für ihr Heil den grausamen Tod erlitten hat. Gib nicht länger zu, ich bitte dich, o Herr, daß dein Sohn von den Ungläubigen verachtet werde, sondern laß dich durch das Gebet heiliger Männer und der Kirche, der Braut deines heiligsten Sohnes, versöhnen. Gedenke nur deiner Barmherzigkeit, vergiß ihren Götzendienst und ihren Unglauben, und bewirke, daß auch sie endlich denjenigen erkennen, den du gesandt hast, unseren Herrn Jesus Christus, der unser Heil, unser Leben und unsere Auferstehung ist, durch den wir gerettet und befreit worden sind, der Ruhm und Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Ablass Raccolta S. 28: 300 Tage, einmal täglich wenn man reumüthigen Herzens und andächtig dieses Gebet spricht. Pius IX.durch eigenhändiges Rescript v. 24. Mai 1847.)

Donnerstag in der Oktav des Hochfestes des hl. Joseph - hl. Augustin

Mittwoch in der 2. Woche nach der Oktav von Ostern

Lesung 7-9
Luk. 3, 21-23
Aus der Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Joseph war nicht der leibliche Vater Christi; aber deswegen durfte er doch sein Vater genannt werden; er wäre ja auch der Vater eines Kindes, das er von sonst jemand angenommen, das ihm nicht sein Weib geschenkt hätte. Zwar wurde Christus zuweilen auch für den Sohn Josephs gehalten, als ob er wirklich von ihm abstammen würde, doch nur von denen, die Marias Jungfräulichkeit nicht kannten. Lukas sagt: Jesus war, als er auftrat, etwa 30 Jahre alt und galt als der Sohn Josephs. Ebenso hat Lukas auch kein Bedenken getragen, nicht nur Maria als seine Mutter, sondern beide als seine eltern zu bezeichnen; er sagt ja: Das Kind wuchs und erstarkte; es war voll Weisheit, und Gottes Wohlgefallen ruhte auf ihm. Seine Eltern gingen alljährlich nach Jerusalem zum Osterfeste. Doch niemand soll meinen, hier seien mit dem Worte Eltern seine Mutter und vielleicht blutsverwandte Marias gemeint. Denn was will er dazu sagen, daß Lukas selbst kutz vorher sagt: Sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde? Der Evangelist berichtet doch selbst, daß Christus nicht durch eine eheliche Gemeinschaft mit joseph das Leben erhielt, sondern von Maria als Jungfrau geboren wurde; wie kann er nun Jesus seinen Vater nennen? Sicher deshalb, weil wir ihn schon aufgrund des bestehenden Ehebandes auch ohne fleischliche Verbindung als den Mann Marias betrachten. Deswegen ist er ja auch in viel tieferem Sinne der Vater Christi, da dieservon seiner Gattin geboren wurde, als wenn er ihn adoptiert hätte. Deswegen dürfte man, auch wenn man nachweisen könnte, daß Maria nicht aus Davids Stamm geboren war dennoch ruhig christus als Sohn Davids bezeichnen, weil Joseph (der sohn Davids) sein Vater genannt wird. Lukas zählt nicht zu Beginn seines Evangeliums, sondern nach der Taufe Christi die Ahnenreihe Jesu auf und zwar nicht in absteigender, sondern in aufsteigender Linie. Er wollte ihn als den Priester zur Vergebung der Sünden bezeichnen. Deshalb tut er es an der Stelle, wo eine Stimme vom Himmel ihn offenbarte, wo Johannes für ihn Zeugnis gab mit den Worten:Seht, dieser nimmt die Sünden der Welt hinweg. Bei seiner Aufzählung geht er über  Abraham hinaus und gelangt zu gott, mit dem wir durch Reinigung und Sühne versöhnt werden. Mit Recht nahm er auch das erste Beispiel einer annahme an Kindesstatt in seine Reihe auf; wir werden ja auch auf diese Weise zu Kindern Gottes, wenn wir an den Sohn Gottes glauben. So zeigt er zur Genüge, daß er nicht deshalb Joseph als Sohn Helis bezeichnet hat, weil dieser sein leiblicher Vater war, sondern weil er von ihm adoptiert war. Er nannte nämlich sogar Adam einen Sohn Gottes; dieser erhielt wohl von Gott das Leben, aber nur durch die Gnade, die er später durch die Sünde allerdings wieder verlor, und wurde so gleichsam als Sohn Gottes in das Paradies gesetzt.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)


Donnerstag in der Oktav des Hochfestes des hl. Joseph - hl. Bernardin von Siena

2. Tag in der Oktav

Lesung 4-6
Aus der Predigt des hl. Bernardin von Siena

Zwischen Joseph und Maria bestand ein regelrechtes Ehebündnis; auf Gottes Eingebung hin war es geschlossen worden.In der ehe kommt eine solche Herzenseinheit zustande, daß Gemahl und Gemahlin als eine Person gelten; das ist doch die höchste Einheit, die möglich ist.. Kann man nun vernünftigerweise annehmen, daß der Heilige Geist mit dieser Jungfrau eine Seele verbunden hat, die ihr nicht vollkommen gleich kam an tugend? Deshalb glaube ich, daß der hl. Joseph der Reinste war, was Jungfräulichkeit angeht, der Demütigste und Bescheidenste, daß er mehr als andere glühte vor Liebe und Hingabe an Gott, daß er am meisten fortgeschritten war in der Gottesschau. Die Jungfrau wusste auch, daß dieser ihr vom Heiligen Geiste als Gemahl gegeben war, als treuer Behüter ihrer Jungfräulichkeit, daß er mit ihr sich teilen sollte in der innigsten Liebe und hingebenden Sorge für das hohe, göttliche Kind; darum glaube ich auch, daß sie mit der ganzen Innigkeit ihres Hezens den hl. Joseph aufrichtig liebte. Joseph hatte eine ganz glühende Liebe zu Christus. Wer möchte leugnen, daß Christus ihm, wenn er ihn als Kind auf seinem Arme trug oder mitihm redete, sei es als Kind oder als Jüngling, ganz unaussprechliche Empfindungen und Freude verlieh? Auch äußerlich bewirkte dies ja die Gnade Christi durch kindliche blicke, Reden und Umarmungen. Wie oft hat er von ihm einen Kuss empfangen! Welche Freude war es für ihn, wenn er das Kind stammelnd ihn Vater nennen hörte! Welche Wonne, wenn er von ihm umarmt wurde! Stelle dir auch vor, mit welchem Mitgefühl er auf ihren Wanderungen das Jesuskind, als es schon etwas größer, wenn es von den anstrengungen müde war, in seinem Schoße ausruhen ließ! Erfühlte sich ganz umgewandelt und mit allerLiebe zu ihm hingezogen, wie zu seinem liebsten Kind, das ihm seine jungfräuliche Gattin durch Wirkung des Heiligen Geistes geschenkt hatte. Deshalb sagte auch die kluge Mutter, die Josephs Herz durchschaut hatte, zu ihrem Jesusknaben, als sie ihn im Tempel wiederfand: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Um dieses Wort zu verstehen, muß man bedenken, daß christus zweierlei Gefühle empfand, Wonne und Leid. Weil der hl. Joseph an beiden anteil haben durfte, deshalb nennt ihn die heilige Jungfrau mit besonderer Betonung Vater Christi. Nur an dieser Stelle nennt die Jungfrau Joseph den Vater Jesu, weil der Schmerz, den er über den Verlust Jesu empfand, seine wahrhaft väterliche Liebe gezeigt hatte. Wenn schon nach menschlichem, auch vor Gott gültigem Gesetze jemand ein fremdes Kind als sein eigen annehmen kann, dann muss umsomehr der Sohn Gottes, der dem hl. Joseph von seiner heiligen Gemahlin geheimnisvollerweise in ihrer jungfräulichen Ehe geschenkt wurde, der Sohn Josephs genannt und auch dafür gehalten werden, weil dieser solch väterliche Güte und solches Mitgefühl für den geliebten Jesus zeigte.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hochfest des hl. Joseph - Hl. Augustinus aus dem Brevier

Mittwoch in der 2. Woche nach der Oktav von Ostern

Lesung 7 -9
Luk. 3, 21-23
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Offenbar sind die Worte: Er wurde für den Sohn Josephs gehalten, um derjenigen willen gesagt, die meinen, Jesus stammt von Joseph ab, so wie andere Menschen von ihren Vätern abstammen. Wer sich daran stößt, das Matthäus in absteigender Linie von David bis Joseph, der wird leicht merken, daß Joseph zwei Väter haben konnte, einem von dem er wirklich abstammte,und einen, von dem er an Kindesstatt angenommen war. Denn sehr alt ist der Brauch, jemand als Kind anzunehmen, auch im Volke Gottes; so konnte einer Söhne haben, denen er nicht selbst das Leben gegeben hatte. Man sieht also, daß Lukas als den Vater Josephs in seinem Evangelium den bezeichnet, von dem er nicht abstammte, sondern nur adoptiert war, und er zählte dann dessen Vorfahren bis zu David auf. Beide Evangelisten, Matthäus und Lukas, berichten doch sicher die Wahrheit; also muss einer von ihnen den Stammbaum des Vaters, der Joseph das Leben gab, im Auge haben; der andere aber den Stammbaum dessen, der ihn adoptierte. Von wem werden wir nun mit größerer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß er den Stammbaum des Adoptivaters aufstellt? Doch sicher von dem, der nicht ausdrücklich sagt, daß Joseph von dem stammt, dessen sohn er genannt wird. Matthäus sagt aber: Von Abraham stammte Isaak ab, von Isaak stammte Jakob ab, und so weiter, bis er zuletzt sagt: Von Jakob aber stammte Joseph ab, dadurch ist deutlich genug zum Ausdruck gebracht, daß er die Geschlechterfolge nicht bis zum Adoptivvater, sondern bis zum wirklichenVater Josephs aufführt. Und selbst wenn auch Lukas sagen würde, daß Joseph von Heli abstammt, so dürfte uns diese Ausdrucksweise doch nicht sonderlich verwirren; auch dann würdenwir nichts anderes annehmen, als daß der eine Evangelist den wirklichen, leiblichenVater, der andere nur den Adoptivvater angeben wollte. Denn nicht mit Unrecht sagt man auch von einem, der einen Sohn angenommen hat, er sei sein Vater; zwar nicht dem fleische nach, wohl aber was die Liebe angeht. So hat ja auch Gott, der uns Macht gab, seine Kinder zu werden, uns nicht aus seiner Natur und Wesenheit gezeugt wie seinen eingeborenen Sohn, sondern hat uns in Liebe zu Kindern angenommen.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)


Mittwoch in der 2. Woche nach der Oktav von Ostern - Hochfest des hl. Joseph

4. -6. Lesung
Predigt des hl. Bernardin von Siena

Bei allen besonderen Gnaden, die einem Menschen verliehen werden, gilt es als allgemeine Regel, daß, wenn Gott einmal einen zu etwas Besonderem oder zu einem höheren Stande erwählt, er ihm auch alle gnaden gibt, die einer so bevorzugten Person zu ihrem Amte notwendig und vollkommen entsprechend sind. Das hat sich vor allem im heiligen Joseph bewahrheitet, dem Nährvater unseres Herrn Jesus Christus, dem wirklichen Gemahl der Königin der Welt und Herrin der engel, der vom ewigen Vater als treusorgenden Ernährer und Beschützer seiner kostbarsten Kleinodien auserwählt wurde, seines Sohnes nämlich und seiner Braut. Er hat dieses amt ganz treu erfüllt. Darum spricht auch der Herr zu ihm: Du guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn! Wenn di ihn in seinem Verhältnis zur ganzen Kirche Christi betrachtest, ist er da nicht der auserwählte und Beauftragte, durch den und unter dessen Schutz Christus ordnungsgemäß und ehrbar in die Welt eintrat? Wenn also die ganze und heilige Kirche der jungfräulichen Mutter Dank schuldet, weil sie durch Maria Christus empfangen durfte, so schuldet sie sicher nach ihr auch Joseph besonderen Dank und Ehrfurcht. Denn er ist der Schlüsselzum alten Testament; in ihm haben die ehrwürdigen Patriarchen und Propheten die verheißene Frucht empfangen. Er ist der einzige, der wirklich besaß, was jenen durch Gottes Huld nur verheißen war. Sehr schön wurde er darum durch den Patriarchen Joseph vorgebildet, der dem Volke Getreide aufspeicherte. Aber er überragt ihn, weil er nicht nur den Ägyptern Brot zum leiblichen Leben, sondern allen auserwählten das Brot vom Himmel, das ewiges Leben spendet, mit großem eifer dargereicht hat. Es ist gar nicht zu zweifeln, daß Christus das Zutrauen, die Ehrerbietung und die höchste Wertschätzung, die er ihm in seinem Erdenleben wie ein sohn seinem Vater erwiesen hat, auch im Himmel ihm nicht verweigert, sondern im Gegenteil nur noch erhöht und vervollkommnet hat. Darum sagt der Herr an der erwähnten stelle ganz recht: Geh ein in die Freude deines Herrn! Obwohl die Freude der ewigen Seligkeit in das Herz des Menschen eingeht, wollte dennoch der Herr zu ihm sagen: Geh ein in die Freude! er wollte damit ganz fein andeuten, daß diese Freude nicht nur in seinem Inneren wohnt, sondern ihn von allen Seiten umgibt und umfängt, daß er darin, wie in einem tiefen Meer untertauchen kann. Denke also an uns, heiliger Joseph, und sei unser Fürsprecher bei ihm, der für deinen Sohn gehalten wurde; mach uns auch die heiligste Jungfrau, deine Braut geneigt; sie ist ja die Mutter dessen, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und als König herrscht in alle Ewigkeit.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hl. Kirchenlehrer Petrus Canisius - Hl. Canisius aus dem Brevier

27. April
Lesung 7-9

Matth. 5, 13-19
Auslegung des hl. Priesters Petrus Canisius
Lieben und verehren will die von Christus gesandten Apostel und ihre Nachfolger, die so eifrig den Samen des Evangeliums ausstreuen und so unermüdlich mit arbeiten an der Ausbreitung des Wortes Gottes; sie können mit Recht bezeuge: Jeder erachte uns als Diener christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes. Als treu bewahrter Hausvater wollte er, daß durch solche Diener und Boten das Licht des Evangeliums an dem Feuer, das er vom Himmel gebracht, entzündet werde, daß es nicht unter den Scheffel gestellt, sondern auf den Leuchter erhoben werde und so seinen Schein überallhin werfe und aller Finsternis und allen Irrtum bei Juden und Heiden ein ende mache. Denn für einen Lehrer des Evangeliums genügt es nicht, wenn er durch sein Wort beim volke Licht verbreitet, wenn er wie eine Stimme in der Wüste ist, wenn er durch sein Wort andere in der Frömmigkeit zu fördern sucht - andernfalls würde er ja auch, wenn er den Dienst des Wortes vernachlässigen würde, vom Propheten ein stummer Hund genannt, der nicht bellen kann - sondern er muss auch glühen vor Eifer, muß von Tatenlust und Liebe beseelt sein, damit er seinem Apostelamt ehre macht und Paulus als seinem Vorbild folgt. Dieser war nicht damit zufrieden, dem Bischof von Ephesus die Weisung zu geben: Das musst du fordern und lehren! Arbeite wie ein guter Streiter Jesu Christi! Er hat auch ständig bei Freund und Feind das Evangelium verkündigt; er konnte zu den bischöfen in ephesus mit gutem Gewissen sagen: Ihr wißt, das ich euch nichts von dem, was euch nützlich sein kann, vorenthalten habe; alles habe ich euch verkündigt, öffentlich und in den Häusern; vor Juden und Heiden habe ich die Bekehrung zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus feierlich bezeugt. Ein Hirt der Kirche muss nälich so sein, daß er wie Paulus, allen alles wird, daß der Kranke bei ihm Genesung findet, der Betrübte Freude, der Verzweifelnde Vertrauen, der Unerfahrene Belehrung, der Schwankende Klarheit, der Reuevolle Vergebeung und Trost, kurz, ein jeder das, was ihm zum Heile notwendig ist. Darum ist es sehr sinnig, daß Christus, als er die ersten Lehrer der Welt und der Kirche bestellte, zu seinen Jüngern nicht blos sagte: Ihr seid das Licht der Welt, sondern auch hinzufügte: Eine Stadt, die auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben, auch zündet man kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, vielmehr stellt man es auf den Leuchter, daß es allen, die im Hause sind leuchte. Denn die Prediger täuschen sich, wenn sie meinen, sie könnten ihrer Aufgabe mehr durch einen glänzenden Vortrag als durch ein tadelloses Leben und durch glühende Liebe Genüge leisten.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Hl. Martyrer Justinus - Hl. Chrysostomus aus dem Brevier

14. April
Lesung 7-8

Lukas 12, 2-8
Predigt des hl. Johannes Chrysostomus

Nichts ist so verborgen, daßes nicht enthüllt werden wird, und nichts ist so geheim, daß es nicht bekannt werden wird. Er will damit sagen: Es genügt, um euch zu trösten, wenn ich, euer Meister und Herr, die gleichen Schmähungen wie ihr erleide. Wenn ihr aber trotzdem noch betrübt seid, dann bedenkt, daß ihr in kurzer Zeit schon vor diesen Vorwürfen Ruhe haben werdet. Warum regt ihr euch darüber auf? Weil man euch Zauberer und Betrüger nennt? Wartet doch nur ein wenig, und alle weren euch als Retter und Wohltäter der Welt preisen. Denn die Zeit wird alles, was jetzt noch dunkel ist, aufdecken, sie wird die Unwahrheit ihrer Vorwürfe aufweisen und eure Tugend ins rechte Licht stellen. Wenn ihr nämlich in Wirklichkeit euch als Retter und Wohltäter und tugendhelden erweist, dann werden die Mensch bald auf die Reden jener nicht mehr achten, sondern nur auf die wirklichen Tatsachen. Dann werden jene als Heuchler, Lügner und Bösewichte dastehen, ihr aber werdet heller als die Sonne leuchten. Eine lange Zeit wird euch bekannt machen und euch preisen; lauter als die Trompete wird sie ihre Stimme erschallen lassen und wird alle Menschen zu Zeugen eurer tugend machen. Darum darf das, wasihr jetzt hören müsst, euch nicht mutlos machen, vielmehr soll die Hoffnung auf die künftigen Güter euch aufrichten. Denn das, was euch bereitet ist, kann nicht verborgen bleiben. Nachdem er ihnen also alle Furcht, Angst und Sorge genommen, nachdem sie jetzt über allen Schimpf und Spott erhaben waren, da war nun der rechte Augenblick, um über den bei der Verkündigung des Evangeliums notwendigen Freimut zu ihnen zu reden. Darum sagte er weiter: Was ich euch im Finstern sage, das sagt im hellen Lichte, und was euch ins Ohr gefüstert wird, das verkündet auf den Dächern. Es war wohl nicht dunkel, als er dies sagte, und er flüsterte es ihnen auch nicht ins Ohr, sondern das ist übertragen gemeint. Weil er nämlich nur zu ihnen redete und zwar in einem kleinen Winkel Palästinas, darum sagte er: Im Dunkeln, und ins Ohr flüstern. Diese Art zu reden stellt er dem Feimut der Rede gegenüber, mit dem er sie später ausrüsten wollte. Nicht nur einer, oder in zwei ider drei Städten, sondern in der ganzen Welt prediget, ziehet über Länder und Meere, durch bewohnte und unbewohnte Gegenden, Fürsten und Völkern, Gelehrten und Rednern verkündet mit großem Freimut die ganze Frohbotschaft! Deshalb sagte er: auf den Dächern und im hellen Licht, also ohne Zurückhaltung, mit allem Freimut.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)