Samstag, 3. Juni 2017

Hl. Martyrer Cyriakus und Gefährten - Papst Gregor aus dem Brevier

8. August
Lesung 7-9
Markus 16,15
Aus der 9. Homilie des heiligen Papstes Gregor über die Evangelien

 Unter dem Ausdrucke "allen Geschöpfen" kann das Volk der Heiden verstanden werden; denn früher hatte der Herr gesagt: "Gehet nicht den Weg zu den Heiden!" Matth. 10,5. nun aber heißt es: "Prediget allen Geschöpfen;" damit nämlich die von den Juden verworfene Lehre der Apostel alsdann erst uns zum Heile käme, wenn diese zu ihrer schweren Verdammnis dieselbe aus einem sträflichen Übermute würden verstoßen haben. Wenn aber die Wahrheit ihre Schüler zum Predigen aussendet, was anderes tut sie, als Samenkörner in die Welt ausstreuen? Und zwar nimmt sie zu dieser Aussaat nur wenige Körner, um eine reiche Ernte von Früchten aus unserm Glauben zu sammeln.
Gewiß würde durch die ganze Welt keine so große Ernte der Gläubigen reifen, wenn nicht auf dieses vernünftige Erdreich jene auserlesenen Körner, nämlich die Prediger, aus der Hand der Herrn ausgestreut worden wären. Nun folgt: "Wer da glaubt und sich taufen lässt, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden". Vielleicht denkt nun ein jeglicher bei sich selbst: Ich glaube, mithin werd ich selig werden. Wahr ist es, wofern deine Werke dem Glauben entsprechen. Denn der wahre Glaube ist jener, der das, was er mit den Worten behauptet, mit den Werken nicht verleugnet. Daher kommt es, daß der hl. Paulus von einigen falschen Gläubigen sagt: "Sie geben vor, daß sie Gott kennen, aber in der That verleugnen sie Ihn." Titus 1, 16.
"Es werden aber denen, die da glauben, diese Wunder folgen: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden." Wie, meine Brüder! glaubet ihr etwa um dessentwillen nicht recht, weil ihr diese Wunder nicht wirket? O, nein! Diese Wunder waren nöthig bei der Gründung der Kirche; denn auf daß die Menge der Gläubigen in dem Glauben Stärkung und Befestigung erlangte, mußte sie gleichsam durch diese Wunder geistig ernährt werden. Wir handeln ja ebenso, wenn wir junge Bäumchen pflanzen; wir begießen sie mit Wasser so lange, bis wir bemerken, daß sie in dem Boden feste Wurzeln gefaßt haben. Haben sie ihre Wurzeln tief genug geschlagen, so hören wir auf, sie ferner zu begießen. Daher kommt der Ausspruch des hl. Paulus: "Die Sprachen sind zum Wunderzeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen."
(Römisches Brevier, aus dem Lateinischen von Marcus Adam Nickel, Dritte Auflage 1855)

Freitag, 2. Juni 2017

Am zweiten Tag in der Oktav des hl. Laurentius (Brevier)

11. August
Lesung 7-8
Joh. 12, 24

Homilie des hl. Bischofs Augustin (51. Abhandlung über Johannes)

Wenn einmal der Fall eintritt, wo uns nur die Wahl gelassen ist, entweder gegen das Gesetz Gottes zu handeln, oder den Tod zu leiden; und wir zu einem aus beiden uns entschließen sollen, so wird der wahre Christ lieber aus Liebe zu Gott alle Todesqualen, ja, den Tod selbst erdulden, als mit einer Beleidigung seines Gottes das längere Leben sich erkaufen. In solchem Falle hasset er seine Seele in dieser Welt, um sie zum ewigen Leben zu bewahren. "Wenn mir jemand dienen will, der folge mir nach." Was heißt das: "der folge mir nach?" Es heißt: Er ahme mir nach, strebe mir ähnlich zu werden. "Denn Christus hat," wie der hl. Apostel Petrus spricht: "Uns ein Beispiel hinterlassen, damit wir Seinen Fußstapfen nachfolgen sollen."
Siehe, das heißt das Wort: "Wenn mir jemand dienen will, der folge mir nach!" Welcher Lohn wird aber solchem Christusdiener und Nachfolger? Höre: "Und wo ich bin," sagt der Herr, "da soll mein Diener auch sein." Er soll umsonst geliebt werden, damit die Belohnung des Dienstes, welcher Ihm erwiesen wird, sein könne: Mit Ihm und bei Ihm zu weilen, ewiglich. Denn wo kan es gut sein zu weilen, ohne Christus, oder: wo kann es uns übel sein in Seiner Nähe? Vernimm es noch deutlicher: "Wenn jemand mir dient, den wird mein Vater ehren." Wie anders wird Er ihn ehren, als daß er in Christi Nähe und Gemeinschaft weile? Denn was Er oben gesagt: "Wo ich bin, da soll Mein Diener auch sein;" scheint Er hier erklärt zu haben, da Er spricht: "Den wird mein Vater ehren." Welche größere Ehre kann das angenommene Kind erlangen, als daß es da sein darf, wo auch der Eingeborene, Der nicht der Gottheit gleich geworden, sondern eine Gottheit von Ewigkeit her mit dem Vater ist?
(Römisches Brevier, aus dem Lateinischen von Marcus Adam Nickel, Dritte Auflage 1855)


Donnerstag, 1. Juni 2017

Freitag in der Oktav der Himmelfahrt des Herrn - hl. Papst Gregor

Lesung 7-9
Mark. 16, 14-20
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Wer glaubt und sich taufen läßt, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Vielleicht denkt nun ein jeder bei sich: Ich glaube, also werde ich selig. Das ist wahr, wenn seine Werke dem Glauben entsprechen. Denn wahr ist der Glaube nur dann, wenn einer dem, was er in Worten behauptet, mit den Werken nicht widerspricht. So kommt es, daß Paulus von einigen falschen Gläubigen sagt: Sie geben vor Gott zu kennen, aber mit den Werken verleugnen sie ihn. Darum sagt auch Johannes: Wer sagt er kenne Gott, hält aber seine Gebote nicht, der ist ein Lügner. Wenn sich die Sache so verhält, dann müssen wir die Echtheit unseres Glaubens nach unserem Lebenswandel beurteilen. Denn nur dann sind wir wahrhaft gläubig, wenn wir im Werke vollbringen, was wir mit Worten versprechen. Am Tage unserer Taufe haben wir das Versprechen gegeben, allen Werken des alten Feindes und aller seiner Pracht zu entsagen. Ein jeder von euch stelle daher mit sich selbst eine ernste Prüfung an, und wenn er nach der Taufe das hält, was er vorher gelobt hat, so mag er sicher sein, daß er ein wahrer Gläubiger ist, und sich darüber freuen. Wenn er aber sein Versprechen nicht gehalten hat, wenn er sich zu bösen Werken und zum Verlangen nach irdischer Pracht hat verleiten lassen, dann wollen wir sehen, ob er das, was er gefehlt hat, beweinen will. Denn vor dem barmherzigen Richter wird keiner als Abtrünniger behandelt, der zur Wahrheit zurückkehrt, nachdem er ihr untreu geworden; und der allmächtige Gott bringt dann bei seinem Gerichte unsere Fehler nicht mehr vor, da er unsere Buße gerne aufnimmt.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Mittwoch, 17. Mai 2017

23. Sonntag nach Pfingsten - Hl. Hieronymus aus dem Brevier

Lesung 7-9
Matth. 9, 18-26
Auslegung des hl. Priesters Hieronymus
Das wäre das achte wunder gewesen, als der Vorsteher um die Auferweckung seiner Tochter bat. Er wollte eben von den hohen Gnaden der wahren Beschneidung nicht ausgeschlossen sein. Doch da kam eine blutflüssige Frau dazwischen und sie wurde an achter Stelle geheilt; die Tochter des Vorstehers aber musste von dieser Stelle wegrücken und kam an den neunten Platz, so wie es im Psalm heißt: Äthiopien erhebt zuerst zu Gott die Hände; und: Wenn die Vollzahl der Heiden eingetreten ist, dann wird ganz Israel geretten werden. Und siehe eine Frau, die seit zwölf Jahren am Blutfluße litt, trat von hinten herzu und berührte den Saum seines Gewandes. Im Evangelium des hl. Lukas ist bemerkt, daß die Tochter des Vorstehers zwölf Jahre alt war. Beachte also, daß gerade zu der Zeit, da das Judenvolk zum glauben gelangte, diese Frau, das heißt das Volk der Heiden, krank wurde. Denn nur wenn es den Tugenden gegenübersteht, wird das Laster offenbar. Diese blutflüssige Frau naht sich dem Herrn nicht im Hause, nicht in der Stadt, weil sie nach dem Gesetz aus den Städten ausgeschlossen war, unterwegs tat sie es, als der Herr des Weges dahinzog. So wurde die eine geheilt, während er zu der anderen unterwegs war. Darum sagen auch die Apostel: euch sollte zuerst das Wort Gottes verkündet werden; weil iohr euch aber als unwürdig dieses Segens erwiesen habt, darum wenden wir uns an die Heiden.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Montag, 15. Mai 2017

22. Sonntag nach Pfingsten - Hl. Hilarius aus dem Brevier

Lesung 7-9
Matth. 22, 15-21
Auslegung des hl. Bischofs Hilarius
Die Pharisäer gerieten häufig in Erregung; jedoch aus seinem bisherigen Tun konnten sie keinen vorwand finden, ihm etwas vorzuwerfen. Denn auf seine Werke und seine Worte konnte kein Verdacht einer Sünde fallen. In ihrer Bosheit tateb sie jedoch alles, um einen Grund zur Anklage zu finden. Er rief ja alle von den Lastern der Welt und den falschen, von den Menschen erdachten Glaubenslehren weg zur Hoffnung auf das Himmelreich. So wollten sie nun durch die Frage, die sie ihm vorlegten, herausbekommen, ob er etwa die weltliche Obrigkeit nicht anerkenne; sie fragten ihn also, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuer zu zahlen. Er aber durchschaute ihre verborgenen Gedanken; denn Gott sieht alles, was im Inneren des Menschen verborgen ist. Und so ließ er sich einen Denar geben und fragte, wessen Aufschrift und wessen Bild das sei. Die Pharisäer antworteten: Des Kaisers. Da sagte er ihnen: Man muss dem Kaiser geben, was des Kaisers ist. Welch wundervolle Antwort! Welch vollkommene Lösung liegt in diesem wahrhaft himmlischen Ausspruch! Damit hat er zwischen Verachtung der Welt und kränkender Beleidigung des Kaisers alles wohlgeordnet, hat gottesfürchtige Seelen aller menschlichen Sorgen und Pflichten enthoben, indem er entschied, man müsse dem Kaiser geben was des Kaisers ist. Denn wenn wir von dem, was sein ist, nichts mehr haben, dann sind wir an die Pflicht, ihm zu geben, was sein ist, nicht mehr gebunden. Anders aber, wenn wir uns an das hängen, was sein ist, wenn wir die von ihm verliehene Rechte gebrauchen und uns wie Mietlinge der Sorge für fremdes Gut unterwerfen. Wir dürfen also nicht über Unrecht klagen, wenn wir dem Kaiser geben müssen, was des Kaisers ist, und Gott geben müssen, was sein ist, den Leib, die Seele, den Willen. Denn auf ihn gehen diese Gaben, die wir besitzen, zurück und von ihm werden wir sie erhalten; darum ist es billig, daß sie auch ganz dem hingegeben werden, dem sie den Ursprung und die Erhaltung verdanken.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Sonntag, 14. Mai 2017

21. Sonntag nach Pfingsten - Hl. Hieronymus aus dem Brevier

Lesung 7-9
Matth. 18, 23-25
Auslegung des hl. Priesters Hieronymus

die Syrier und hauptsächlich die Bewohner von Palestina haben die Gewohnheit, allen Reden Gleichnisse anzufügen; was die Zuhörer auf ein einfaches Wort hin nicht fassen können, soll durch  Gleichnisse und Beispiele faßlicher werden. So gab auch der Herr dem Petrus durch das Gleichnis von einem König und Herrn, sowie von einem Knecht, der dem Herrn zehntausend Talente schuldete, auf seine Bitte hin aber Nachlaß erhielt, die Lehre, daß auch er seinen Mitknechten, die doch weniger fehlen, Verzeihung gewähren müsste. Denn wenn die König und Herr seinem Schuldner zehntausend Talente so leicht nachließ, um wieviel mehr müssen Knechte ihren Mitknechten kleinere Schulden nachlassen? Um dies noch deutlicher zu machen, wollen wir ein Beispiel anführen: Wenn einer von uns einen ehebruch, einen Mord oder Gottesraub begangen hat, dann wird ihm diese Sünde, die doch größer ist als eine Schuld von zehntausend Talenten, auf seine Bitte hin nachgelassen, falls auch er seinen Schuldnern ihre kleinen Schulden erläßt. Wären wir aber wegen einer erlittenen Unbill unversöhnlich und würden wir wegen eines bitteren Wortes stete Feindschaft unterhalten, verdienten wir da nicht mit Recht in den Kerker geworfen zu werden und würden wir da durch unser eigenes Vorbild nicht darauf hinarbeiten, daß auch uns kein Nachlass für unsere größeren Sünden gewährt wird? So wird auch mein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn ihr nicht, ein jeder seinem Bruder, von Herzen verzeiht. Ein furchtbares Wort, das sich nach unserer Gesinnung das Urteil Gottes richtet! Wenn wir unseren Brüdern ihre geringen Schulden nicht erlassen, dann werden auch uns unsere großen von Gott nicht erlassen. Wohl kann ein jeder sagen: Ich habe nichts gegen ihn; er weiß es, er hat Gott zum Richter; ich kümmere mich nicht darum, was er tun will; ich habe ihm verziehen. Doch der Herr erklärt ganz bestimmt und er macht damit jede Vortäuschung friedlicher Gesinnung unmöglich, er sagt: Wenn ihr nicht, ein jedem senem Bruder, von Herzen verzeiht.

(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)

Donnerstag, 11. Mai 2017

20. Sonntag nach Pfingsten - Hl. Papst Gregor aus dem Brevier

Lesung 7-9
Joh. 4, 46-53
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Liebe Brüder! Die Lesung des heiligen Evangeliums, die ihr eben vernommen habt, bedarf keiner Auslegung. Damit es aber nicht den Anschein habe, als wollten wir sie stillschweigend übergehen, darum wollen wir lieber eine Ermahnung als eine Erklärung daran knüpfen. Nur die eine Frage finde ich allenfalls einer Erörterung wert, warum dieser königliche Beamte, der mit der Bitte um Heilung seines Sohnes gekommen war, hören musste: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Da er um die Heilung seines Sohnes bat, hatte er doch sicherlich Glauben, denn er würde ihn gewiss nicht um Heilung bitten, wenn er ihn nicht für den Heiland halten würde. Warum wurde ihm also gesagt: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Er glaubte doch schon, bevor er Wunderzeichen sah. Allein überlegt einmal, um was er bat, und ihr werdet deutlich erkennen, daß sein Glaube noch schwankend war. Denn er bat darum, daß der Heiland hinabkomme und seinen Sohn heile. Er verlangte also nach der leiblichen Gegenwart des Herrn, der doch geistigerweise überall zugegen ist. Sein Glaube war also noch unvollkommen; denn er meinte, der Herr könne nur, wenn er auch dem Leibe nach gegenwärtig sei, eine Heilung wirken. Wäre sein Glaube vollkommen gewesen, so hätte er ohne Zweifel wissen müssen, daß es keinen Ort gibt, wo Gott nicht gegenwärtig ist. Er war also zu einem großen Teil noch ungläubig, da er die Wunderkraft nicht der Majestät des Herrn, sondern seiner leiblichen Gegenwart zuschrieb. Er bat um die Heilung seines Sohnes, und doch war sein Glaube noch schwankend; er glaubte zwar, der Herr, zu dem er geeilt war, habe die Macht, Heilung zu wirken, meinte aber, er sei nicht bei seinem sterbenden Sohne. Aber der Herr, den er bat, hinzukommen, zeigte ihm, daß er schon dort war, wohin er eingeladen wurde; durch ein einziges Wort gab er ihm die Gesundheit wieder, so wie er durch seinen bloßen Willen alles erschaffen hatte.
(aus dem Deutschen Brevier übersetzt von Dr. Johann Schenk 1937)